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MIKROBOY

MIKROBOY

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Mikroboy sind angetreten, um mehr Leidenschaft, Ehrlichkeit und Emotionalität in die heimische Popwelt zu bringen. Bei Michi Ludes, Dominik Müller, Anneli Bentler und Kai Steffen Müller trifft mal sanftleiser, mal hymnisch-lauter deutschsprachiger Gitarrenpop auf pluckernde Laptopverzierungen und große Klaviermelodien. Und über alldem schwebt Michi Ludes´ Stimme, die wie die perfekte Vertonung des Wortes Melancholie klingt. In Verbindung mit seinen großartigen wie ehrlichen Texten schmerzt einem da schnell das Herz vor Glück. Nach über 80 Auftritten auf deutschen Bühnen und der EP „Bis zum Ende“ haben sich Mikroboy Zeit gelassen, um mit Produzent Swen Meyer das bestmögliche Debüt hinzulegen. „Zu wissen, dass man jetzt mit seinem Album in eine große Öffentlichkeit tritt, ist ungemein spannend“, freut sich Ludes. Und hat diese Neugier auch gleich vertont. In „Nichts ist umsonst, singt er: „Denn nur wer weiß, wohin er will und was er kann, der kann auch schaffen, was die Welt von ihm verlangt.“ Was sie können und wohin sie wollen, zeigen Mikroboy mit ihrem Album „Nennt es, wie Ihr wollt“ eindrucksvoll – der Brückenschlag von Independent zu Pop folgt ihrer einmaligen Sensibilität.
Es gibt diese Alben, die einen frontal erwischen. Die einem mit der einen Hand das Herz aufreißen und mit der anderen auf die Schulter klopfen. Die sich mit den ersten Akkorden ins Hirn winden und da nicht mehr raus wollen. Die einem Schauer über den Rücken jagen und einen die Hände in die Luft reißen lassen. Die sich mit den ersten Songzeilen als Freund für’ s Leben empfehlen – als Trostspender, als Zuhörer, oder als Saufkumpel. „Nennt es, wir Ihr wollt“ ist so eines. Es sollte einen Warnhinweis tragen.
„Alle Menschen verlieren Sachen, die ihnen sehr am Herzen liegen“, singen Mikroboy da auf ihrem Debüt. Der Song dazu schmiegt sich an warme Gitarren, tapsende Laptopbeats und einem Piano auf der Suche nach der ganz großen Melodie. Ein sanftes Timbre, bei dem man automatisch den Blick gen Himmel hebt, und das pathetische Seufzen runterschlucken muss. „Alle Menschen verlieren Sachen, die ihnen sehr am Herzen liegen.“ Eine wahre Zeile, aber spätestens bei diesem Song – dem neunten auf „Nennt es, wie Ihr wollt“ – weiß man, dass diese Einsicht gar nicht so schlimm ist. Denn manchmal findet man ja auch Sachen, die einem sehr am Herzen liegen. Dieses Album zum Beispiel.

Sänger und Songwriter Michi Ludes stand am Anfang von Mikroboy. Unter diesem Projektnamen schraubte er am heimeigenen Laptop Songs zusammen, und begab sich auf die Suche nach der perfekten Verschmelzung emotionaler Electroklänge mit deutschen Texten. Seine Band Reminder, die nach Eigenaussage „Emocore-Pop mit englischen Texten“ machte, stand gerade kurz vor ersten Erfolgen, die aber aufgrund anderer Lebensplanungen der Bandkollegen gar nicht erst zustande kamen. „Das fand ich ungemein schade“, erinnert sich Ludes. „Ich hatte gerade für mich festgestellt, dass Musikmachen DAS Ding für mein Leben ist, aber bei den anderen kamen Nachwuchs und Studium dazwischen.“
Die ersten Mikroboy-Songs – zum Beispiel „Du. nicht wir!“, der auch in neuer Version auf dem Album zu finden ist – enthielten schon das, was man als die Essenz von Mikroboy bezeichnen könnte. Es ist diese schonungslose Ehrlichkeit in den Texten, in denen Michi Ludes einem mit dem Herzen auf der Brust entgegen tritt. „Als ich das erste Mal einen deutschen Text geschrieben habe, war ich geschockt, wie viel ehrlicher und sinntiefer es wirkt, wenn man die eigene Sprache benutzt“, erzählt Ludes. „Ich bin halt nicht die Art von Songwriter, die sich gezielt ein Thema vornimmt und das dann in Lyrics vertont – wie es ein Nick Cave zum Beispiel macht. Das fließt eher aus mir raus. Meine Texte – das bin schon ziemlich 1:1 ich.“ Das Hauptrisiko dabei kennt er: „Man macht sich regelrecht nackt.“ Aber genau diese ehrliche Haltung bringt auch etwas anderes mit sich: „Seitdem ich auf deutsch schreibe, werde ich immer öfter auf meine Texte angesprochen. Zu hören, dass man damit den Menschen etwas geben kann, berührt mich ungemein.“
Die Idee, das Soloprojekt Mikroboy als Band aufzuziehen, kam 2007 mit dem Beginn seines Musik Studiums in Mannheim. „Ich hatte mir vorher nie Gedanken gemacht, wie ich einen Song mit allein vierzig Keyboardspuren live umsetzen sollte.“ Und genau das musste er plötzlich: „Mein Studienkumpel Manu hatte mir angeboten, mir ein wenig bei Management-Dingen unter die Arme zu greifen. Er hat dann einfach mal eine Tour gebucht. Also habe ich die Leute, die mir am nächsten standen, gefragt, ob sie Bock hätten, in die Band zu kommen. Die ersten Proben fanden dann kurz vor den ersten Gigs statt.“ So einfach kann und muss das manchmal sein. Seitdem stand man bis dato über 80 Mal auf deutschen Bühnen. Mittlerweile hat Michi Ludes mit Dominik Müller an den Drums, Anneli Bentler an den Keyboards und Kai Steffen Müller am Bass das endgültige Band Line-up gefunden. Und die Tatsache, dass man es bei Mikroboy mit einer Band zu tun hat, liegt ihm besonders am Herzen: „Ich schreibe zwar nach wie vor Text und Musik der Songs, aber was am Ende daraus wird – das ist ein reines Band-Ding. Und die drei sind nicht nur meine Freunde, das sind Profis – was natürlich die denkbar beste Konstellation ist.“
Die Arbeit mit der Band hat natürlich auch auf den Mikroboy-Sound ausgewirkt, der nun gitarrenlastiger und komplexer klingt. Gleich der Opener „Glück reimt sich auf Augenblick“, der jüngste Mikroboy-Song, ist ein guter Beleg für diesen neu gefundenen Bandsound. Ein pluckerndes Intro, Keyboardwolken, dann eine Akustikgitarre, sanfte Drums, verhaltener Bass, ruhiger Gesang, bis der Song am Ende regelrecht abhebt, die Gitarren lauter werden und ein Klavier sich auf die Suche nach einer Melodie begibt, die der aus Sigur Rós’ „Hoppipolla“ das Wasser reichen kann – so einen episch-schönen Song schafft man nicht alleine im Schlafzimmer.

In dieser Band-Konstellation ging man ins Studio, um nach der EP „Bis zum Ende“ jetzt das Debütalbum anzugehen. Als Produzenten wählte man Swen Meyer, der durch seine Arbeiten für Tomte, Kettcar, Olli Schulz und andere schon mehrfach bewiesen hat, dass er weiß, wie man einen deutschsprachigen Act mit guten und wichtigen Texten ins rechte Licht rückt. „Das war eine Empfehlung des Labels“, erzählt Michi Ludes. „Man hatte Sven Regener unsere Musik vorgespielt und ihn um Rat gefragt, wen er als Produzenten empfehlen könnte.“ Nach einem persönlichen Treffen war die Sache schnell klar. „Ich schätze Swens Arbeitsweise sehr“, sagt Michi Ludes. „Er ist kein Produzent auf Selbstverwirklichungstrip, er hat von Anfang an versucht, die Essenz meiner Songs zu verstehen und sie so umzusetzen, wie wir uns das als Band vorgestellt haben.“
Das Ergebnis dieser Arbeit sind zwölf Songs, die eine Wärme und Emotionalität in die heimische Popmusik bringen, die man lange vermisst hat. Angefangen beim bereits erwähnten Opener „Glück reimt sich auf Augenblick“, der sich fast sieben Minuten Zeit nimmt, um den Hörer in den Mikroboy-Kosmos zu ziehen, über die poppige Abrechnung mit den Nörglern der Vergangenheit „Nichts ist umsonst“, der melancholischen Trennungshymne „Du. nicht wir!“, der wunderschönen Ode an die selbst gewählte Einsamkeit „Apollo“, bis hin zu „This Room“, einer Kollaboration mit Get Well Soon-Mastermind Konstantin Gropper – um nur ein paar Beispiele zu nennen. Letztgenannter Song entstand übrigens aus „freundschaftlicher Verbundenheit“, so Ludes. „Wir schätzen uns als Freund und Musiker, da lag es nahe, ihn zu fragen. Außerdem passt es ganz gut, dass Konstantin die einzigen englischen Lyrics auf der Platte singt.“
„Denn nur wer weiß, wohin er will und was er kann, der kann auch schaffen, was die Welt von ihm verlangt“, singt Ludes in „Nichts ist umsonst“. Vielleicht ist es noch nicht die große weite Welt, die das von ihnen verlangt, aber zumindest all jene, die zum Beispiel Michi Ludes solo als Support von Bloc Party in Münster sahen, all diejenigen, die via Myspace & Co. Zuspruch bekundeten, all die Musikjournalisten, die Mikroboy schon zwischen Notwist und den Get Up Kids verorteten (Visions), sich an „Kettcar-Momente“ erinnert fühlten (Intro) oder gar „die deutschen Death Cab For Cutie“ in ihnen erkannten (motor.de) – all diese Menschen werden nun ein Auge auf „Nennt es, wie Ihr wollt“ richten. Die Band Mikroboy und allen voran Michi Ludes freuen sich darauf. Wer weiß, vielleicht kommen Mikroboy ja zu dem Fazit, das Michi Ludes schon auf der Platte besungen hat: „Selten hatte etwas mehr Sinn, der absolute Hauptgewinn.“ Es wäre ihnen zu wünschen.