Drei Jungs, die auf der Bühne explodieren: Metalpunk, kraftvoll, mit ansteckenden Melodien, Refrains, die sich im Hörgedächtnis einnisten. Und die Freude dort oben auf den Brettern zu stehen und das zu tun, was man schon immer wollte: Mit dem Publikum feiern und einfach zu rocken. Das Trio legt nun sein Debütalbum vor. Das Dutzend Lieder öffnet das Herz des Rock..n..Roll, vom düster verliebten „Schwarzer Engel“, über den sarkastischen „Schöne neue Welt“ bis zum hoffnungsvollen „Zusammenhalten“. Ein Dutzend Lieder das den Hörer entführt in das „Niemandsland“ der Band Hassliebe und ihn nie wieder freigibt.
Hassliebe - ist das nicht die Quintessenz des Rock ..n.. Roll? Die Wut, dass alles nicht so ist, wie wir uns das vorstellen, die Wut, dass die Welt birst vor Ungerechtigkeit und angepassten Mitläufern. Und dann doch die Sehnsucht, geliebt zu werden, auch wenn wir gar nicht ins populäre Schema passen. Rock..n..Roll als Hymne der Rebellen, der Unbequemen, der Tagträumer, die sich einfach nicht geschlagen geben wollen, die sich nicht achselzuckend einreihen werden. Die Hymne gilt überall, von den Straßenschluchten New Yorks über die trostlosen Industriekäffer Englands bis hin zur deutschen Provinz. Dazu genügen ein Bass, ein Schlagzeug, eine charismatische Stimme und natürlich ein amtliches Gitarrenbrett.
Eine der derzeit schneidigsten Gitarren Deutschlands kommt aus Schwaben. Kurt von der Band Hassliebe pflegt ein Brett von Metallica über Slayer bis hin zu Heroen wie Black Sabbath oder Rage Against The Machine. An einem guten Tag auf der Bühne werden schon einmal 50 Jahre Rockgitarre zitiert: Megadeth, In Flames, Machine Head, aber auch Queen. Musikbibliografen bleibt dann die Aufgabe, den Rest des Abends herauszufinden, an was sie das eine oder andere Riff erinnert. Aber das ist nur reine Verspieltheit. Die Lieder von Hassliebe auf dem Debüt-Album „Niemandsland“ sind ureigenstes Material, zwischen Metal und Punk mit stimmigen deutschen Texten. Entstanden sind sie alle in Kurts Schädel, in der Abgeschiedenheit der eigenen vier Wände. Oft stehen am Anfang eher trübe Gedanken an eine krank gewordene Welt. Aber überall steckt auch die Sehnsucht drin, sich daraus zu befreien: „Nimm meine Hand, lass uns fliegen“ (aus dem Lied „Niemandsland“).
Bei aller gitarristischen Besessenheit überlässt Kurt das Singen lieber anderen. Als er Daniel traf, reizte ihn erst einmal dessen Bass, damals im Dienste einer Coverband. Sein gewichtiges Fünfsaitenspiel kontrastiert mit dem Stakkato der Gitarre und erdet den Sound mit kräftigem Brummton. Die Suche nach einem Sänger gestaltete sich allerdings schwierig. Entweder die Aspiranten passten stimmlich nicht oder sie passten menschlich nicht. Zum Glück muss man heute sagen, denn sonst hätte Daniel nicht notgedrungen beim ersten Gig der Band selbst gesungen. Was für ein Sänger! Die raue Stimme erfüllt jeden Saal, kann auch in zarten Passagen ein Brodeln im Hintergrund erkennbar machen. Wie eine lauernde Bestie, die jederzeit hervorspringen kann. Die Rampensau des Trios genießt das Bad in der Menge, genießt den Austausch.
Für die explosive Dualität von Kurt und Daniel braucht es ein Uhrwerk, um den Sound zusammenzuhalten. Den Job hat inzwischen der Klaus übernommen. Ein versierter Schlagzeuger mit einem exakten Timing und einem satten Schlag. Zwischen dem brütenden Kurt und dem extrovertierten Daniel bleibt der Mann an der Trommel unbeirrt. Auch er kam eher zufällig zu seiner Aufgabe. Eigentlich waren die Jungs mit dem damaligen Drummer Manne in seinem Studio, um Demos aufzunehmen. Als dann Manne aus gesundheitlichen Gründen kürzer treten musste, blieb Klaus bei Hassliebe hängen, übernahm den Platz des Freundes, der noch immer der gute Geist der Band ist. Manne ist nach wie vor immer wieder am Entstehungsprozess der Stücke beteiligt.
Damals ahnte man noch nicht, dass man vier Jahre später im Vorprogramm der Toten Hosen spielen würde (Wiley Open Air 2009) oder mit Bands wie Life Of Agony und Rise Against die Bühne teilen würde. Damals ahnte man aber auch noch nicht, dass Jon Caffery die Musik der Band produzieren würde. Der umtriebige Manager Christian Wirth, der sich 2007 vom Enthusiasmus der Gruppe anstecken ließ und seitdem das Trio vertritt, folgte seinem Instinkt und schickte dem langjährigen Produzenten der Toten Hosen und von Poplegenden wie Joy Division einfach eine Demo-CD. Jon Caffery war sofort begeistert vom Talent der Musiker, von Kurts Einfallsreichtum, von der Spielfreude der Band und von der Magie, die schnell zwischen dem Trio und dem Publikum entsteht. Schon bald bildete sich nämlich im Umfeld von Kurt, Daniel und Klaus eine feste Fanbase, die den Jungs in selbst oder von der Band organisierten Bussen auf die über 100 Konzerte in den vergangenen zwei Jahren gefolgt ist und selbstverständlich die Texte alle mitsingen kann.
Mühe, sich die Lieder von Hassliebe zu merken, hat man ohnehin nicht. Die Melodien gehen trotz aller Härte des Sounds sofort ins Ohr und bleiben dort erst einmal tagelang hängen, begleitet von Texten, die nicht deutschtypisch gegen den Rhythmus arbeiten, sondern mit ihm schwingen und die Sehnsucht des ewig gültigen Rock..n..Roll atmen. Die Refrains sind schon jetzt stadiontauglich, bleiben im Stil zwischen The Clash und den Toten Hosen, nur dass sie auf einem Metallbrett getragen werden. Auch hier wieder diese Dualität, die das Reizvolle dieser Band ausmacht. Hassliebe eben.